15. Projekt: Bau von 20 Solarstationen
Projektbezeichnung |
Bau von 20 Solarstationen |
Projektort |
Dörfer in den Provinzen Wardak / Logar und Ghazni |
Projektpartner |
Zukunftsstiftung und Entwicklung |
Projektstatus |
abgeschlossen (März 2009) |
Projektbeschreibung
Wie bekannt haben nur 8% der afghanischen Bevölkerung Zugang zu einem Stromnetz. Dank unserer langjährigen Erfahrungen und Aktivitäten (seit 2001) in ländlichen Gebieten Afghanistans hat die Solarenergie in der Bevölkerung schnell Akzeptanz gefunden. Es wird geschätzt, dass zur Zeit 4% der Bevölkerung Zugang zu Solarenergie haben. Im Rest des Landes gibt es immer noch nur gefährliche Gaslampen, Gaskocher und Petroleumlampen.
Die Familien greifen abends auf die alten Petroleumlampen zurück. Immer wieder kommt es damit zu Unfällen, oft mit verheerenden Folgen. Die nicht gut ausgerüsteten afghanischen Krankenhäuser haben ständig mit der Behandlung der Brandverletzungen zu kämpfen.
Auf der anderen Seite steigt der Benzinpreis unkontrolliert weiter, besonders wenn im Winter sehr kalte Monate zu verzeichnen sind. Viele Generatoren, die mehrere Haushalte stundenweise mit Strom versorgen, werden aus diesem Grund nicht mehr betrieben. Diese unkontrollierten Preiserhöhungen und die schlechte Gasqualität gehören zu den Gründen, wegen denen der Handelsminister unter starke Kritik geraten ist und deswegen ihm zuletzt das afghanische Parlament das Vertrauen entzogen hat.
Die Schäden durch massive Abholzung und nachfolgende Bodenerosion sind überall zu sehen. Im Moment wird sogar Brennholz importiert
In einem Land wie Afghanistan, das über reichlich Sonne und Wind als natürliche Energieressource verfügt, scheint der Einsatz von unseren Solarstationen nahe liegend. Gerade auch wenn man die steigenden Treibstoffpreise und die globale Abhängigkeit betrachtet, bedarf der Einsatz regenerativer Energie der Förderung und Nachahmung!
Mit diesen Erfahrungen wissen wir den Luxus von einer 24-stündigen Solar Stromversorgung mehr als zu schätzen. Unsere Solarstationen liefern rund um die Uhr genügend Energie. Wenn nachts Notfälle auftreten oder zum Beispiel eine Mutter ihrem Kind Milch geben muss, müssen wir nicht erst mit der Taschenlampe warten, bis jemand den lauten Generator anwirft oder eine Öllampe anzündet. Kein Herumirren im Dunkeln, man greift einfach zum Lichtschalter und hat die Situation sofort im Griff.
Mit dem Ziel, die Bevölkerung vor diesen verheerenden Verletzungen zu bewahren und einen gesunden umweltfreundlichen und dauerhaften Solarstrom zu sichern, haben wir in den Provinzen Ghazni /Wardak 20 Solarstationen gebaut, die von der Zukunftsstiftung und Entwicklungshilfe e.V. finanziell unterstützt worden sind.
Es war sehr schwierig, unter den zahlreichen Antragstellern 20 Großfamilien auszuwählen. Nach der Auswahl haben wir wie üblich die Pläne für die Installation der Anlagen und der einzelnen Komponente vor Ort erstellt und die Dorfbewohner mit der Vorarbeit beauftragt.
Zum ersten Mal waren wir in der Lage, eine Anlage komplette innerhalb von Afghanistan herzustellen.
Glücklicherweise haben wir jetzt in Kabul eine neu gegründete Firma identifiziert, die unsere Drehteile, die wir früher in Pakistan bearbeiten mussten, fertigen kann. Diese Kooperation stärkt einerseits die Produktion im Land und sichert Arbeitsplätze, andererseits erleichtert sie unsere Arbeit bei eventuellen Änderungen an Teilen. Ebenso entfallen die Zoll- Formalitäten und der Transport aus Pakistan nach Afghanistan, die früher nicht nur viel Geld gekostet haben, sondern auch mit viel Zeitaufwand verbunden waren. Auf Bild 1 sieht man das Sägen der Vierkantröhre und auf Bild 2 die Dreharbeiten der Wellen. Wir können die Teile dort auch galvanisieren, was früher in Afghanistan nicht möglich war.
Eine hundertprozentige Qualitätskontrolle wird unsererseits vorgenommen, bei Reklamationen und eventueller Fehlerfeststellung haben wir immer noch die Möglichkeit, die Teile schnell zurückzubringen und die Mängel zu beheben, was für uns früher nicht so einfach war.
Sägen und Drehen:
Nachdem die Teile der Windräder hergestellt waren, sind die Häuser durch unser Fachpersonal (Hauselektriker) verkabelt worden. Die Herstellung von Windradflügel lief in Bedmoschk parallel. Die zusammengebauten Windräder mit Solarmodulen und passenden Rahmen konnten nach Bedmoschk transportiert und dort gelagert werden. Diese wurden später nach Bedarf für die Fertiginstallation in die vorgesehenen Dörfer geliefert.
Aus den Familien hat jemand seine Gefühle durch ein afghanisches Gedicht zum Ausdruck gebracht:
Die Station wurde mir mit voller Ehrlichkeit installiert
Jede Komponente ist an passender Stelle montiert
Unser Haus konnte dadurch beleuchtet und Geräte betrieben werden
Wir beten für Euch und erhoffen euren weiteren Erfolg…


(Sie haben es endlich geschafft, eine Solarstation zu besitzen) (Der Vater der Familie wird angewiesen)

Bei Familie Yaqin, einem Antragsteller für Solarstationen,hat es vor vier Jahren eine Explosion eines Gasballons in der Küche gegeben, wodurch ihre achtzehn jährige Tochter verheerende Verbrennungen im Gesicht und am Oberkörper erlitt. Ich habe die Familie besucht.
Das arme Mädchen steht sowohl körperlich als auch psychisch unter großer Belastung. Ich sagte ihr: „Jetzt ist es sicher, dass es durch Solarstrom keine Explosion mehr geben wird“
Sie schaute mich an und fragte: „Habt Ihr an mich gedacht?“ Sie hatte das Gefühl, völlig in Vergessenheit geraten zu sein.
Besonders häufig sind Kinder und Frauen von schwersten Verbrennungen betroffen.
Viele Frauen und Kinder ziehen sich heftige Verbrennungen zu, weil öfter durch undichte Gasleitungen am Gasballon oder Kocher oder wegen sehr schlechter Gas- oder Benzinqualität der ganze Ballon brennt oder explodiert. Diese Verbrennungen von Frauen in Afghanistan haben in den letzten Jahren sehr stark zugenommen, vor allem bei den 15- bis 19-Jährigen. Denn Brennmittel gibt es in jeder Küche und in jedem Wohn- und Schlafraum. Öfter kommen auch solche Verbrennungen beim falschen Auffüllen der Petroleumlampen vor. (Aus einem Benzinkanister anstatt Kerosin)
Wenn die Frauen mit Verbrennungen ins Krankenhaus kommen, kann ihnen oft nicht einmal jemand helfen. Die Mehrheit der afghanischen Frauen hat keinen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung. Viele Familien verbieten ihren weiblichen Angehörigen nach wie vor, sich von männlichen Ärzten untersuchen zu lassen. Wenn ein Kind oder eine Frau starke Verbrennungen im ländlichen Gebiet erleidet, erfolgt eine Notversorgung oftmals unzureichend oder zu spät. Sofern sie die Verbrennung oder Verbrühung überleben, bleiben jedoch starke entstellende Narben zurück. Mit der Zeit wächst das Kind, aber seine Narben nicht. Der Körper lebt in einem engen Korsett aus Narben. Oftmals können die Betroffenen ihren Kopf nicht mehr bewegen, da das Kinn mit der Brust vernarbt ist. Auch die Oberarme sind häufig mit dem Oberkörper verwachsen und die Finger sind gekrümmt.
Junge Mädchen, die so ein Schicksal erlitten haben, sind nicht nur körperlich, sondern auch psychisch stark belastet und werden zudem oft von ihren Familien verstoßen.
Da die ausgestoßenen Verbrennungsopfer normalerweise aus armen ländlichen Gebieten kommen, können sie die aufwändigen und teueren chirurgischen und medizinischen Behandlungen nicht bezahlen. Mit diesen Problemen konfrontiert, verlieren die Frauen jegliche Lebensperspektive. Die Frauen sind dann sehr häufig stark traumatisiert.
Es gibt leider keine Frauenhäuser oder Einrichtungen, wo man sie aufnehmen und ihnen eine körperliche und seelische Rehabilitierung anbieten könnte.

Diese arme Dame ist eine Witwe und hat Niemanden, der sich um sie kümmern kann. Auf dem Bild im Hintergrund sehen Sie ihr ganzes Hab und Gut. Sie wollte unbedingt Solarstrom, da sie kein Geld für Kerosin zahlen konnte. Ich fragte, ob sie eine Eigenleistung bringen kann.
Keine Chance!
Ich habe kein Geld fürs Essen, wovon soll ich für Solarstrom zahlen, antwortete sie!!!
Eine komplette Station war für sie zu groß, ich habe ihr eine Solarlaterne gespendet. Manchmal muss man doch auf Eigenleistung verzichten.
Wenn man die dankbaren Augen der Dorfbewohner sieht, bekommt man neue Energien, selbst im gefährlichen Afghanistan, weiter zumachen.
Ohne finanzielle Unterstützung der Zukunftsstiftung und Entwicklungshilfe e.V. wären wir gar nicht in der Lage, so viele Familien mit Strom zu versorgen und somit unseren Beitrag zur Minimierung der Brandopferfälle und der Umweltverschmutzung zu leisten und zugleich die Lebensqualität der armen Bevölkerung im ländlichen Gebiet Afghanistans zu verbessern. An dieser stelle möchte ich im Namen der afghanischen Bevölkerung und ABS e.V. meinen besonderen Dank an die Zukunftsstiftung und Entwicklungshilfe e.V. aussprechen, besonders für den persönlichen Einsatz von Frau Massmann für die großzügige Unterstützung. Ich hoffe, dass diese Zusammenarbeit weiterhin gepflegt und verstärkt wird und die Hoffnungen aller derjenigen wahr werden, die auf langen Wartelisten stehen und ungeduldig auf eine Solarstation warten müssen.
Wäre intelligente Politik nicht vielmehr Klimaschutz und Friedenspolitik in Einem? Sonne, Wind und Einsparen statt Öl, Gas und Krieg?