Die erste in Afghanistan produzierte Solarlampe 2002











Projektbezeichnung

Berufliche Bildung Solarlampen-Produktion in Afghanistan

Projektort

Afghanistan, vom 31.07.02 – 27.08.02

Projektpartner

GTZ / Caritas

Projektstatus

abgeschlossen





Einleitung



Im Rahmen der Produktion von 500 Solar Lampen (300 finanziert von der GTZ und 200 von Caritas international) und der Ausbildung von 12 Jugendlichen im Bereich Elektronik und 12 im Bereich Blechbearbeitung wurde Herr Achtari am 31.07.02 nach Afghanistan entsandt.

Von den 500 produzierten VAIT- Lampen werden:
  • 100 Lampen an internationalen Organisationen mit voller Kostendeckung pro Stück 60,-US$,


  • 100 weitere durch Bazarhändler mit voller Kostendeckung pro Stück 60,-US$,


  • 300 Lampen (100 von GTZ und 200 von Caritas international) mit 20%tiger Eigenbeteiligung der Abnehmer in den vorgeschlagenen Dörfern in den Provinzen Ghazni / Wardak verkauft.


Bestimmen des Produktionsstandortes



Kabul wurde vorerst als Produktionsstandort ausgesucht. Er liegt leicht erreichbar in Kabul-City, (Kololaposchta, gegenüber der Bushaltestelle Borje-Barq), 50 m von der Hauptstraße entfernt. Das Gebäude verfügt über einen Dieselgenerator als Stromversorger (linkes Bild)



Die Produktionsstätte mit einer Kapazität von 500 Lampen in 4 Monaten befindet sich auf einer Gesamtfläche von 90m² im freien Hof und wurde extra zu diesem Zweck überdacht. (Bild 2) Nach dem Aufbau wurden 24 Arbeitsplätze (12 für Elektroniker und 12 für Blechner) auf zwei getrennten Flächen eingerichtet.

Das Lager, sowohl für das Rohmaterial als auch für die fertigen Produkte bis zum Verkauf, befindet sich im Keller des Gebäudes. Der Keller ist auf 60m² betonierte Grundfläche aufgebaut.

Aufbauen und Einrichten der Produktionsstätte



Da die Produktionsstätte im Freien liegt, haben wir ein stabiles Metalldach konstruiert, das Material gekauft und in Eigenarbeit aufgerichtet (linkes Bild).



Die Werkstatt wurde daraufhin von uns mit dem nötigen Werkzeug ausgerüstet. Die sechs Arbeitstische für 12 Elektrolehrlinge (1 Tisch für 2 Personen) wurde konstruiert und über den Caritas international in Kabul angefertigt. (Bild 5) Außerdem wurde für das Labor zum Testen der gefertigten VAIT- Lampen ein spezieller Tisch konstruiert und ebenfalls in der Werkstatt vom Caritas international in Kabul angefertigt.

Alle benötigten Messgeräte und das Zubehör für eine gute Qualitätssicherung wurden an diesem Tisch installiert, der in einen separaten Raum gestellt wurde. Hierfür wurde von VAIT ein angepasstes Prüfgerät entwickelt, mit dem man die ganze Funktion der VAIT- Lampe testen kann, da die Lehrlinge als Anfänger die elektronischen Bauteile sehr schnell beschädigen können.

Für alle 12 Lehrlinge der Elektroniker und 12 Lehrlinge der Blechbearbeitung wurden nach folgender Liste die benötigten Werkzeuge und Werkzeugkästen in Kabul gekauft, welche die Lehrlinge später als Geschenk mitnehmen werden :



Auswahl der Ausbilder und Lehrlinge
























Da die Lehrlinge in den ersten zwei Monaten nur die Grundausbildung erhalten und nicht in der Lage sein werden die Solar Lampen zu produzieren, wurde entschieden die Produktion von der Ausbildung zu trennen. So kann der größte Teil der 500 Lampen durch ein Produktionsteam gefertigt und der vorgesehene Plan eingehalten werden.

Für die Auswahl der Lehrlinge ist vorausgesetzt, dass solche Jugendliche teilnehmen können, die nicht oder nicht mehr zur Schule gehen und die später auch diesen Beruf ausüben werden. Waisen und Behinderte werden bevorzugt.


Schulung und Qualifizierung der Ausbilder und Fachkräfte im Bazar



Im Anschluss wurden der Elektriker und der Blechner in der Werkstatt geschult. Zusätzlich wurden drei Blechner im Bazar ausgebildt, so dass die Bevölkerung auch im Bazar mit der Solar Lampen vertraut werden.



Dieser Herr wurde ebenfalls im Bazar geschult und fertigt die Lampen nun eigenständig. Herr Mohammad schult jetzt seine zwei Helfer, die die Lampen nun eigenständig fertigen

Beschaffung von Basismaterial für 500 Lampen




Ein schwieriger Punkt ist die Beschaffung der Basisteile für die Solar Lampen, da viele Aspekte berücksichtigen müssen.

  • Da die Lampen in den weit entlegenen Dörfern verkauft werden und dort weder gut qualifizierte Fachkräfte noch Strom existieren, um die Reparaturarbeiten zu erledigen, muss eine gute Qualität der Bestandteile gesichert sein.


  • Die Bestandteile müssen so günstig wie möglich eingekauft werden, damit der Stückpreis möglichst billig wird und somit die ärmsten Bevölkerungsteile sich eine Lampe leisten können.


  • Die Bestandteile müssen möglichst vor Ort zu beschaffen sein, damit Verschleißteile schnell ersetzbar sind.


Die Bestandteile kann man wie folgt eingruppieren :

  • Solarmodul


  • Laterne


  • Akkus (Batterien)


  • Laderegler


  • Kabel


  • Fassung


  • Kleinteile wie Stecker, Schalter, Sicherung, Schrauben etc.


Für die Beschaffung der Bestandteile wurden die sechs folgenden Orte untersucht :

1.Deutschland




In Deutschland sind die Teile qualitativ sehr gut. Aber die Preise sind so hoch, dass die Afghanen kaum in der Lage sein werden, die Lampen kaufen zu können. Um ein Beispiel zu nennen, kostet hier allein ein Solarmodul €99,-

Es wurde dennoch entschieden, die Sparlampe (die Birne) zum Teil in Deutschland zu beziehen, obwohl die Lampen doppelt so teuer sind wie in der Tschechei. Aber da die Birne das Herz der ganzen Lampe ist, wird auf eine gute Qualität großen Wert gelegt. Wir wissen noch nicht wie gut oder wie schlecht die chinesische Sparlampe in der Praxis ist. Deswegen wurde zum Vergleich beide Typen gekauft, um Erfahrungswerte sammeln zu können.

Wir haben versucht die Laderegler in Deutschland fertig zu beschaffen. Aber da der Regler pro Stück hier 20 Euro gekostet hätte, wurde von VAIT einen eigenen Regler entwickelt. Kurz vor der Reise Herrn Achtari wurden 30 Regler hier zusammengebaut (Bild 9+10) und zwecks Schulung und Vorstellung nach Afghanistan mitgenommen. Sie wurden in den fertigen Lampen vor Ort getestet und gutes Ergebnis aufgewiesen. Wir werden nach diesem Schema auch für die Produktion der 500 VAIT- Lampen hier die Teile beschaffen und in Eigenarbeit produzieren.
























2.Tschechei



Da in der ersten Phase keine große Stückzahl von Modulen gekauft werden konnte, wurden die 200 Module mit 500 Sparlampen aus der Tschechei bezogen. Ein Bezug der Module aus China wird sich erst bei größeren Stückzahlen lohnen Die Lampen werden in Zukunft aus o.g. Grund in Deutschland eingekauft.

























3.China



In China werden kleine Solarmodule und Sparlampen sehr günstig produziert. Wir haben mit einem Produzenten von Solarmodulen Kontakt aufgenommen und drei Muster zur Auswahl bestellt. Nach dem Testen werden wir uns für einen Typ entscheiden und gleich eine größere Menge bestellen. Die Muster sind unterwegs.


4.Peschawar



Wir wollten ursprünglich die Akkus, Laternen und die elektronischen Bauteile aus Peschawar besorgen. 200 Laternen und 1000 Stück Akkus (für 500 Lampen) sind bereits beschaffen.

Inzwischen können die Laternen auch in Kabul sogar günstiger als in Peschawar gekauft werden. Deswegen haben wir weitere 300 Laternen in Kabul gekauft. Da nicht alle elektronischen Bauteile in Peschawar zu erhalten sind, haben wir sie aus Lahore geholt.

























5.Lahore



Lahore ist eine große Industriestadt in Pakistan, wo die Teile relativ günstig und in ausreichenden Mengen zu erhalten sind, wobei die Qualität nicht unbedingt die beste ist.

Alle Kleinteile, die wir benötigt hatten, haben wir an einem Tag gekauft und nach Afghanistan geschickt.

Außerdem wurden drei Laderegler nach unserer Konstruktion dort bestellt, die uns nach 5 Tagen zum Testen zugeschickt werden. Wenn unser Test positiv auffällt, können auch diese Teile in Zukunft dort ganz günstig beschaffen werden.


6.Kabul



In Kabul gibt es inzwischen viele Waren zu kaufen, jedoch spezielle Dinge sind noch schwer oder gar nicht zu bekommen.

Außerdem sind die Preise in Kabul sehr instabil. Jede Stunde können sich die Preise ändern. Und von Laden zu Laden können die Preise verdoppelt und sogar verdreifacht sein. Fünf Schalter für die Muster-Lampen wurden in einem Laden zum Stückpreis von 6000 Afghani gekauft. Den selben Schalter haben wir am Abend von einem anderen Händler zu einem Stückpreis von 2500 Afghani bekommen.

Die Tatsache ist, dass die Ware Container-Weise von einem einzigen Händler nach Afghanistan eingeführt und wird weiter verteilt. Von solchen Großhändlern gibt es noch wenige, weil viele für große Investitionen noch vorsichtig sind.

Deswegen ist es nicht möglich, dort große Mengen von Bauteilen zu kaufen.


Serienreife Produktion der VAIT – Lampen



Um die Stückproduktion serienreif machen zu können, wurden die 10 ersten Lampen unter Serienbedingungen gefertigt. Dazu haben wir passende Schablonen und Werkzeuge konstruiert und angefertigt. (Bilder 16+17) Bei der Serienproduktion im Vergleich zur Stückproduktion müssen einige Aspekte betrachtet werden.





Stückproduktion


Die Teile sind in kleinen Mengen leicht zu finden.

Man kann ein Stück manuell mit einfachem Werkzeug anfertigen.

Bei der Stückproduktion spielt die Zeit keine große Rolle.
















Serienproduktion


Es wird problematisch, wenn man große Mengen beschaffen will.

Die Teile müssen in der Serie einheitlich aussehen, damit sie miteinander einfach ausgetauscht werden können. Deswegen brauchen wir für die einheitliche Produktion passende Vorrichtungen und Schablonen.

In der Serie muss jede Minute gespart werden. Deswegen muss man einzelne Schritte bei der Produktion festlegen.










Gebrauchsanleitung und Lehrmaterial für die Schulung



Da die Solar-Energie in Afghanistan ein neues Phänomen ist, müssen die Bezieher damit vertraut werden. Deswegen ist es notwendig, eine Gebrauchsanweisung sowohl auf Persisch als auch auf Paschto anzufertigen. Wir haben damit schon angefangen; sie muss noch vervollständigt werden.

Auch das Lehrmaterial auf Persich/Paschto speziell für Solar-Lampe muss noch erweitert werden.



Vertrieb der Solar Lampen


300 Lampen mit 20%iger Eigenbeteiligung



Die vorgesehenen Dörfer in den Provinzen Ghazni – Wardak wurden besucht, zwei Musterlampen mitgenommen, der Bevölkerung vorgestellt und gemeinsame Gespräche geführt.

  • In dem Dorf Paye Musali haben wir die Dorf ältesten in die Moschee zur Vorstellung der VAIT – Lampe eingeladen (Bild 18). So sollten die Bewohner motiviert werden, die Lampen zu kaufen. Wir hatten zwölf US - Dollar als Eigenanteil vorgeschlagen. Nach der Vorstellung der Lampe war das Interesse bereits so groß, dass der Bedarf auch bei Herstellung größerer Mengen kaum gedeckt werden kann.


























  • Nach dieser Erfahrung haben wir in dem Dorf Bedmoschk nicht nur die Dorf ältesten, sondern alle Familienvertreter in die Moschee geladen (Bild 19). Sie haben alle ausnahmslos eine Lampe bestellt. Das hat gezeigt, dass die Vorteile der VAIT – Lampe allen bewusst sind.

    Unserer Erfahrung nach können die Familien in Zukunft bis zu 50% (30 US – Dollar pro Stück) der Kosten als Eigenleistung erbringen.

    Der größte Teil der Listen der Dorfbewohner wurde bereits erstellt und der Rest wird bald unserem Vertreter übergeben.

    Es war immer die Frage, was wir machen, wenn die Verschleißteile nicht mehr funktionieren. Wo sind die Ersatzteile zu bekommen? Was geschieht, wenn die Lampe nicht mehr so funktioniert wie sie von uns vorgestellt wurde? Es wurden dazu folgende Vereinbarungen getroffen:

    • Für die Sicherheit der Bevölkerung haben wir ein drei monatiges Rückgaberecht gewährleistet, vorausgesetzt die Lampenteile sind unbeschädigt. Bei nicht funktionierender Lampe aus welchem Grund auch immer, wird die Lampe gegen eine neue ausgetauscht.
    • VAIT wird einen Vertreter vor Ort mit Ersatzteilen ausstatten, der in der Lage sein wird die Verschleißteile gegen angemessene Kosten zu ersetzen.

    • Geplant sind darüber hinaus Kleinwerkstätte an diversen Orten zwecks Reparatur und Wartung zu errichten.


100 Lampen für die Internationalen NGO´s




In einzelnen Gesprächen wurde festgestellt, dass bei internationalen NGO´s, besonders bei denjenigen, die im medizinischen Bereich tätig sind, großes Interesse besteht. Werbungen werden nur eingeschränkt gemacht, da die Lampen noch nicht produziert sind. Die Werbeaktion soll erst Ende Oktober gestartet werden.


100 Lampen für den privaten Markt




  • Die ersten Nachfragen im privaten Bereich sind bereits eingegangen. Wir haben Quittungen in 2 Kopien vorbereitet und eine Liste erstellt. Die Gelder werden gesammelt und die Lampen im November gegen Vorlage unserer Quittung übergeben.


  • Die Übergabe der Lampen an Interessenten wird generell erst Anfang November stattfinden.


  • Werbung in der Presse wurde vermieden, da zur Zeit noch nicht zu bewältigende Nachfrage zu befürchten ist.


Das war ein guter Anfang für die Einführung der Solarenergie in Afghanistan. Der Bericht ist von 2002. Mittlerweile (2010) ist die Solarlampe eine Geschichte, aber doch ein kleiner Schritt mit großer Wirkung. Jetzt verlangen die Dorfbewohner, Solar Home Systeme, Solarpumpen, Solar Reflektoren, Windräder, Solare Butterschlagmaschinen und vieles MEHR...



Impressum