4. Projekt: Butterschlagmaschinen in Wardak-Solvis
Projektbezeichnung |
Verbreitung von solaren Buttersclagmaschinen |
Projektort |
Bedmoschk-Jaghatoo-Wardak |
Projektpartner |
Solvis |
Projektstatus |
abgeschlossen (August 2007) |
Projektbeschreibung
Besonders für die afghanischen Frauen auf dem Land ist der Alltag sehr schwer. Es
gibt keine elektrische Energie, sämtliche Arbeiten müssen manuell ausgeführt werden.
So bedeutet allein das tägliche Butterschlagen - bei nur einer Krugfüllung - mindestens
drei bis vier Stunden Schwerstarbeit. Der leere Lehmkrug zum Buttern wiegt
(je nach Größe) bereits 16 bis 21 kg. Gefüllt dann ca. 30 bis 40 kg, die
stundenlang hin und her bewegt werden müssen. In der warmen Jahreszeit muss wegen
der hohen Tagestemperaturen bereits zu nächtlichen Stunden mit der Arbeit
begonnen werden. Besonders im kalten Winter - ohne Gemüseversorgung - sind die
Milcherzeugnisse neben der Butter die Hauptnahrungsmittel für die Familie.
ABS e.V. will auf Basis der Solarenergie in den abgelegenen Dörfern in Afghanistan die
Lebensqualität der Menschen verbessern, besonders die Schwerstarbeit der Frauen
erleichtern. Ziel des Projektes ist die heimischen Mitarbeiter so gut in die
Arbeitsabläufe und Umsetzung einzuführen, dass sie danach selbständig die entwickelten
Gerätschaften in der bereitgestellten Werkstatt herstellen, warten und später selbst
einmal initiativ werden können.
Die solare Butterschlagmaschine ist ein enormer technischer Entwicklungssprung
Durch den langen und regelmäßigen Kontakt von Herrn Achtari, Vorsitzender des Vereins, mit
den Menschen dort (dreimaliger Arbeitseinsatz /Jahr im Land) und die Kenntnis der
Traditionen, erreichte er ihr Vertrauen und eine breite Akzeptanz zur Einführung
erneuerbarer Energiequellen mittels angepasster Technologie – quasi ein Quantensprung
für die Bevölkerung.
Diese Aktivitäten schaffen Ausbildung und Arbeitsplätze im Dorf
Projektdurchführung
Der in der BRD lebende afghanische Dipl.-Ing. M.S. Achtari, Vorsitzender des Vereins ABS e.V. (Afghan-Bedmoschk-Solar-Center e.V.) hat nun ein einfaches Gerät entwickelt und im Dorf Bedmoschk /Provinz Wardak eingeführt. Der Antrieb dieses „Mixers“ erfolgt durch Solar Energie, die in einem Akku (Auto- Batterie) gespeichert ist. Der Akku wird an einer kleinen Solarstation beim Haus / Gehöft geladen. Die Station ist so ausgelegt, dass sie den „Mixer“ zum Butterschlagen betreiben und außerdem die Beleuchtung von zwei Sparlampen im Haus sichern kann.
Die für das Gerät benötigten Gefäßteile bestehen aus den dort gebräuchlichen Alutöpfen (Topf und Deckel jeweils eingebaut), also einfachst, vertraut und preisgünstig Diese schwere und zeitaufwendige Milchverarbeitung wird durch entsprechende Geräte erleichtert, so wird die Tagesproduktion durch eine höhere und qualitativ bessere Ausbeute gesteigert und sogar ein Überschuß zum Verkauf erzielt, damit wird also auch eine Geldeinnahme ermöglicht. Außer der körperlichen Entlastung können somit die Frauen für ihre Weiterbildung Zeit gewinnen. Das tägliche Butterschlagen ist nur noch ein leichter Arbeitsaufwand von einigen Minuten. Dazu sind die Frauen vor Ort im Umgang mit dem Gerät geschult sowie Mitarbeiter für den Gerätebau, Wartung etc. ausgebildet.
Zusätzlicher Effekt: Es sind Arbeitsplätze im Dorf geschaffen.
Aber nicht nur die Frauen im Dorf sind von dieser enormen Arbeitserleichterung angetan, sondern auch die im Sommer in der Provinz Wardak lebenden Nomaden Deren einzige Einnahmequelle, neben der Selbstversorgung, ist die verarbeitete Milch von ihrem Schaf- und Ziegenherden. Da sie auf ihren Wanderungen keine schweren Tonkrüge transportieren können, benutzen sie zum Buttern Lederbeutel aus dem gegerbten Fell eines Zickleins. (Schwer vorstellbar, wie die Beutel täglich gereinigt werden...)

Damit sich der eingefüllte Yoghurt (= Vorstufe zu Butter) im Beutel gut vereilt, müssen die Frauen mit ihrer Atemluft hineinblasen; dann beginnt das stundenlange Rollen.
M.S.Achtari hatte Gelegenheit, mit den Nomaden Kontakt aufzunehmen und ihnen die technischeLösung mit Solarmodul und Mixer zu demonstrieren. Die ganzen Zubehörteile incl. der leichten Alugefäße lassen sich gut auf ihren Wanderungen transportieren. Auch für sie ist - neben der Arbeitserleichterung - die höhere und hygienischere Milchausbeute ein Gewinn, so dass sich die Anschaffung schnell bezahlt macht.