Tätigkeitsbericht über die drei Energiestationen



Berichterstatter : Dipl.-Ing. Achtari
Datum : Juni 2006
Ort : Afghanistan
Projektbezeichnung : Energiecenter - Der Sprung ins 21. Jahrhundert
Projektnummer : 003-2005




Ziel des Projektes war, den afghanischen Frauen, besonders auf dem Land, die tägliche körperliche Schwerstarbeit, auch wegen der damit verbundenen körperlichen Schäden, zu erleichtern. In einem dafür ausgesuchten Dorf wurden modellhaft Lösungsmöglichkeiten durch maschinelle Hilfen aufgezeigt. Sie sind an die vorhandenen Strukturen angepasst, so dass sie von der Bevölkerung auch angenommen werden.

Die Basis für dieses Projekt war der Bau von Energiestationen. Es wird mit den im überfluss vorhandenen Ressourcen, nämlich Sonne und/oder Wind, Gleichstrom erzeugt und in einem Akku (Auto-Batterie) gespeichert. Mit dem so nachhaltig erzeugten Strom werden zwei - extra für dieses Land und seine speziellen Probleme - entwickelte Maschinen, nämlich eine Butterschlagmaschine und eine Waschmaschine, betrieben. (Anm.: Das tägliche manuelle Butterschlagen bedeutet allein schon 3-4 Std. Schwerstarbeit !) Die Einsatzmöglichkeit dieser Geräte bringt also eine enorme körperliche Entlastung der afghanischen Frauen.

Das System wurde erfreulicherweise nicht nur akzeptiert - wofür seine Einfachheit und offensichtliche Brauchbarkeit spricht , sondern es wird durch Eigenbau dort weiter verbreitet. Dies war auch beabsichtigt und durch die Art der Konstruktion ermöglicht. Gleichzeitig konnte auf diese Weise die Bedeutung und Wichtigkeit der erneuerbaren Energien und ihre Nutzung eindrucksvoll demonstriert werden.

Im Rahmen des oben genannten Projektes "Förderung beispielhafter Projekte zum kommunalen Klimaschutz und zur Lokalen Agenda 21" wurden in Afghanistan drei Solarstationen in abgelegenen Dörfern bei den Familien Mahbub, Gholam Hassan und Nauroz installiert. Um den Bericht kurz halten zu können, berichten wir im Einzelnen nur über eine der drei Stationen.


   

April 2006 , Besuch bei Familie Nauroz:



Paye Mossaly ist das Nachbardorf von Bedmoschk. Es befindet sich in der Provinz Ghazni und wird vom Volksstamm der Dari sprechenden Hasaras bewohnt. Eine der von der LFU unterstützten Solarstationen wurde dort im Haus von Familie Nauroz installiert. Sie wohnt ca. einen Kilometer vom Dorf entfernt. Obwohl es im Dorf einen Dorf-Dieselgenerator gibt, wird das Haus wegen der großen Entfernung daran nicht angeschlossen. Es fehlt das Geld für die Stromleitung. Dieses müsste entweder von ihm oder von allen Dorfbewohnern gemeinsam aufgebracht werden. Beides ist nicht möglich.

Nauroz kam nach Bedmoschk ins Afghan Bedmoschk Solar Center (ABS e.V.), da er wusste, dass in Bedmoschk alle Leute Solarstrom haben, also ohne Dieselgenerator oder Leitungen durchs ganze Dorf. Er wollte wissen, wie das funktioniert. Vor 6 Monaten installierte ABS dann auf seinem Hausdach eine von LFU finanzierte Solarstation.

Sie besteht aus 2 PV- Modulen je 45-W und einem 100 W-Windrad. Nun hat die Familie Licht (12 Energiesparlampen), sie kann eine von ABS hergestellte Butterschlagmaschine, und/oder Waschmaschine sowie einen Fernseher betreiben.

Nauroz bezahlte einen Eigenanteil von 20% an der Solarstation, der Rest wurde von der LFU übernommen. Als wir die Familie besuchten, war er gerade dabei, für seine 2 Kühe einen Stall in traditioneller Lehmbauweise zu errichten. Er ist sehr glücklich, nun Strom zu haben, immer wieder hat er seinen Dank geäußert. Seine Frau betonte besonders die Erleichterung, die ihr die Butterschlagmaschine und die Waschmaschine bereiten. Sie musste täglich 3 bis 4 Stunden (je nach Wetter) die Butter im schweren Tonkrug schütteln. Die solare Butterschlagmaschine erledigt die ganze Arbeit in maximal15 Minuten.



Nauroz ist sehr stolz auf seine Energiestation, die ihm ohne laufende Kosten 24Stunden am Tag Energie liefert, im Gegensatz zum Dorf-Dieselgenerator, der mit hohen laufenden Kosten nur am Abend drei Stunden Strom liefert. Der weitere Vorteil ist, dass sie alle Gerätschaften inklusive TV, Waschmaschine und Butterschlagmaschine mit Solarstrom betreiben kann, während beim Dorf-Dieselgenerator lediglich die Beleuchtung von zwei bis drei Lampen gesichert ist. Frau Nauroz freut sich besonders, dass sie in Zukunft keine Gelenk- und Rückenprobleme bzw. keine rissigen Hände mehr haben wird.

Familie Nauroz bringt ihre solar erzeugte Butter und saubere Sauermilch jetzt in die nächste Stadt (Ghazni) und erzielt guten Erlös für den Kauf ihrer anderen Bedürfnisse, die auf dem Dorf nicht zu finden sind.

Besonders erfreulich ist es, dass die fünf Jugendlichen, die diese Technologie gelernt haben, versuchen, ihr Wissen in anderen Dörfern einzusetzen und an andere Jugendliche weiterzugeben.

Das Energiezentrum des Vereines ABS e.V. im ersten Solardorf Afghanistans; dort werden die Solargeräte hergestellt.





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