9. Projekt: 12 Energiestationen-Diaspora (in Wardak)


Projektbezeichnung

Energiestationen für Großfamilien

Projektort

Bedmoschk, Wardak (Afghanistan)

Projektpartner

GTZ Organisationseinheit: OE 4121 Sektorvorhaben Migration und Entwicklung

Projektstatus

abgeschlossen



Projektbeschreibung




   (Traditionelle Lehmhäuser der Großfamilien)                       (Straßenzustände in der Region)


1. Kurzbeschreibung des gesamten Vorhabens und des geleisteten Beitrags



Durch die geographischen Bedingungen (Wüsten, schwer zugängliches Gebirge) ist eine allgemeine zentrale Stromversorgung in Afghanistan nicht möglich. Die Sonne scheint reichlich und in vielen Gegenden weht ein kräftiger Wind. Afghan Bedmoschk Solar Center (ABS e.V.), der als Verein hauptsächlich im dörflichen Bereich arbeitet, unterstützt also alle Bemühungen, die mit dem Einsatz regenerativer Energien die Lage der Bevölkerung verbessern. Durch ABS e.V. besteht eine enge Kooperation mit anderen Vereinen, die sich auf die Förderung regenerativer Energien spezialisiert haben.

Durch eine vom Verein Afghanischer Ingenieure und Techniker (VAIT) entwickelte Solarlampe (7 Watt-Sparlampe) konnte 2002 in abgelegene Gebiete „Licht“ gebracht werden. Handhabung und Wartung sind einfach, die Lampe ist wirtschaftlich und genügt ökologischen Anforderungen. Auf die bisher üblichen umweltschädlichen und gefährlichen Öllampen kann verzichtet werden.

Da die Anforderungen der Bevölkerung stetig zunehmen, reicht im Moment nur eine Beleuchtung nicht mehr aus. Die Dorfbewohner wollen mehr als nur eine Lampe, einige Beispiele sollen hier genannt werden: Die Frauen wollen von der schweren körperlichen Arbeit entlastet werden, durch elektrische Butterschlagmaschinen soll die Produktion der Milcherzeugnisse erhöht werden, indem anstatt traditionell nur einmal zu schlagen, mit der Butterschlagmaschine zwei oder drei Gänge Milch verarbeitet werden können. So sind die Familien auch in der Lage, anstatt einem, zwei oder sogar drei Tiere zu halten.

Die Dorfbewohner bekommen ein Gefühl für Energie und damit verbundener Industrie. Sie wissen, wie Energie erzeugt wird und wie man damit sparsam umgehen kann.

Weitere Beispiele für die Nutzung: Radio, TV, lokal erhältliche Waschmaschine.

Die Energiestationen sind genau an die Anforderungen der Menschen in Afghanistan angepasst. Wind und Sonne müssen sich in Afghanistan ergänzen, um eine optimale Energieversorgung darüber zu erzielen. Ein speziell entwickeltes Kleinwindrad erzielt Spitzenleistungen bis 100 Watt. Es ist stabil, zuverlässig, haltbar und bedarf nur geringer Wartung. Es wird in Afghanistan – zum Teil in Bedmoschk durch lokale Experten von ABS e.V. und zum Teil in Kabul durch Afghan Renewable Energy Center – hergestellt. Eine Station umfasst jeweils ein Windrad (100 Watt), ein Solarmodul, zwei Batterien und ein Laderegler sowie eine Butterschlagmaschine. Die lokale Bevölkerung wurde in Betrieb und Wartung der Geräte geschult, womit die Nachhaltigkeit des Projektes gewährleistet ist.

Ein leeres Lehmgefäß zum Butterschlagen wiegt 16-21 kg. Im Handbetrieb müssen 30-40kg mit Wasser gemischter Joghurt stundenlang hin und her bewegt werden, im Sommer wegen der hohen Tagestemperaturen bereits in den Nachtstunden. Die mit regenerativer Energie betriebene Butterschlagmaschine „Mixer“, die von Herrn Dipl.-Ing. Achtari (ABS e.V.) entwickelt wurde, erledigt die gleiche Arbeit in 10 Minuten. Die Ersparnis kommt den Frauen zugute. Milcherzeugnisse sind ein Hauptnahrungsmittel in Afghanistan. Die Milchverarbeitung ist Schwerstarbeit, die vornehmlich von Frauen geleistet wird.

Das Projekt „Musterdorf Bedmoschk“, das mit Hilfe der Friedensinitiative Nottuln und ABS e.V. verwirklicht wurde, hat als Modell erfolgreich weiter gewirkt: Die Ausweitung dieses Modellprojekts zur Energieversorgung der ländlichen Bevölkerung in Afghanistan war das Ziel dieses Projektes. Mit diesem Vorhaben werden mehrere soziale und ökonomische Problemfelder behandelt. Die im Rahmen des Projektantrags geplanten Vorhaben konnten erfolgreich durchgeführt werden.


2. Projektziel



Die folgenden Projektziele konnten wie geplant erreicht werden:

  • Ausstattung von Haushalten mit Energiestationen (Windenergie und Sonnenenergie werden in Form eines Windrads, kombiniert mit einem 33 W Monochristallinen PV Modul, welche eine Autobatterie aufladen, genutzt), Butterschlagmaschinen und Beleuchtung, um den Frauen die harte körperliche Arbeit zu erleichtern
Entwicklung von Kompetenzen im Bereich regenerativer Energien:

  • Ausbau der Akzeptanz erneuerbarer Energieträger, wie sie im Rahmen des Dorfentwicklungsprojekts in Bemoschk begonnen wurde, und weitere Verbreitung im ländlichen Raum. Mit der Vermittlung von Kenntnissen haben wir der Bevölkerung Alternativen zum herrschenden Energieproblem aufgezeigt.

  • Ausbildung von zwei afghanischen jungen Männern als Fachkräfte im Bereich erneuerbarer Energien. Für diese wurde eine langfristige Beschäftigung, und für mindestens fünf Personen Kurzzeit-Beschäftigung im Rahmen des Projektes, geschaffen.

  • Bekämpfung der Landflucht durch Verbesserung der Lebensqualität.

Wertung der Zielerreichung:

Die geplanten Ziele wurden gemäß unserer Vorstellungen und im vorgesehenen Zeitrahmen erreicht.

Der Zuschussempfänger konnte bei der Durchführung des Projekts hilfreiche Erfahrungen sowohl technischer als auch sozial-kommunikativer Art sammeln.

Als besonders wertvoll bewerten wir die Zusammenarbeit mit den Fachleuten der in Kabul ansässigen Firma ARE Ltd. und dem Personal des Zentrums für Erneuerbare Energie in Bedmoschk (ZEE), Wardak. Diese hatten bereits gemeinsam das Modellprojekt zu erneuerbarer Energieversorgung im ländlichen Afghanistan in Bedmoschk durchgeführt. Dadurch wurde die Ausbildung von zwei afghanischen jungen Männern als Fachkräfte erleichtert. Die Zielgruppe des Projekts wurde durch Personal aus der Region betreut.

Dies führte, besonders vor dem Hintergrund des als erfolgreich bekannten Modellprojekts in Bedmoschk zu einer sehr positiven Annahme. Anderseits profitierte auch das Personal von ARE und von ZEE, da es durch dieses Projekt weiteren technischen Input bekam.

Die Förderung gewährleistet, dass die Nutzer im Zeitraum von drei Monaten nach Inbetriebnahme der Energiestationen bei eventuellen Problemen technischer Art Hilfe, bzw. kostenlose Reparatur erhalten und in allen Fragen betreut werden. Auch danach ist technische Betreuung durch die ausgebildeten Fachkräfte, die die Funktion von Dorfvorstehern innehaben, gewährleistet.

3. Konzeption und Gestaltung des Vorhabens



Es wurden wie geplant insgesamt 12 Energiestationen im Rahmen des Projekts in den Dörfern errichtet, wobei davor nur Kerosinlampen existierten und der Einsatz anderer elektrischer Geräte gar nicht möglich war. Mit diesen Energiestationen werden 12 Großfamilien mit je ca. 25 Personen mit Solar-Strom versorgt. Diese Familien gehören jetzt zu den 8% der afghanischen Bevölkerung, die Zugang zu Strom haben.

Folgende Familien im Distrikt Jagatho nahmen am Projekt teil:

Nr. Name Familienoberhaupt Name des Vaters Dorf Übergabedatum
1 Habibullah Karimullah Fuladbeg 27.7.2007
2 Hamed Daud Akhtar Baba Khel 27.7.2007
3 Hajib Rahim Mohamad Ali Ahtar Baba Khel 27.7.2007
4 Mamur Hakim Saifullah Ahtar Baba Khel 27.7.2007
5 Mohamadjan Abdullahjan Kamal Baba Khel 3.8.2007
6 Abdul Hadi Mohamad Anwar Kamal Baba Khel 3.8.2007
7 Gholam Sarwar Gholamjan Kamal Baba Khel 3.8.2007
8 Haji Kadir Saheb Din Kamal Baba Khel 3.8.2007
9 Mohamad Taher Mohamad Kasem Petawak 7.8.2007
10 Akbar Jalil Petawak 7.8.2007
11 Anwar Gholamrabani Bedmoschk 9.8.2007
12 Mohamad Hassan Mohamad Alam Schabutak 9.8.2007



Während der Projektdurchführung wurden keine Änderungen an der Projektkonzeption vorgenommen.

Die Windräder wurden in Afghanistan produziert und durch Einheimische vor Ort montiert.

Die gesamte Hausverkabelung und Installation der Energiestationen konnte von afghanischem Fachpersonal wie geplant durchgeführt werden. Natürlich gab es kleine Abweichungen, dass nicht alle Familien auf Grund der unterschiedlichen Anzahl der Räume dieselbe Anzahl von Lampen bekommen haben, aber die Gesamtzahl wurde wie geplant erreicht.

Die Fachkräfte Herr Ezmarei (26 Jahre) und Herr Sherali (28 Jahre) wurden durch ABS- Werkstattleiter Herr Ismail Karami im Bau von Windrädern und Solarstationen ausgebildet und können nun auch Reparaturen und den Einsatz von Ersatzteilen selbständig ausführen. Sie waren vorher ohne Arbeit und Perspektive, da sie keinen Beruf erlernt hatten. Sie haben jetzt nicht nur Arbeit und Geld, sondern haben jetzt ein höheres Selbstwertgefühl.

Die Nutzer wurden in Wartung und Gebrauch der Energiestationen und der neuen Geräte ausgebildet, sie haben zusammen mit unseren Fachkräften diese Energiestationen in Betrieb genommen.

Vor der Durchführung des Projektes hat jede Familie in Ölkanistern Kerosin, Diesel und Benzin von der Stadt Ghazni ins Dorf via Busse transportiert, häufig kam es zu Bränden. Jetzt brauchen die Großfamilien keine fossilen Brennstoffe mehr.

Nach Beendigung der Förderung sind die Dorfangehörigen in der Lage, die Anlagen zu warten und zu betreuen. Bei Bedarf stehen natürlich die von uns ausgebildeten Fachkräfte zur Verfügung. Sie bekamen Ersatzteile von uns, die bei anfallenden Reparaturen als Verschleißteile ausgetauscht werden können, somit können in Zukunft alle Reparaturen vor Ort durchgeführt werden und die Dorfbewohner müssen nicht bei Kleinigkeiten das Windrad abbauen und nach Kabul in die Hauptwerkstatt bringen. Das ist eine große Erleichterung für die Dorfbewohner.



Besonders der Einsatz der Butterschlagmaschine bedeutet eine große Arbeitserleichterung für die Frauen, die täglich mehrere Stunden mit der Herstellung von Butter beschäftigt waren.



Optional kann eine Energiestation auch eine Waschmaschine (lokal erhältlich) betreiben und damit eine weitere Erleichterung von harter körperlicher Arbeit leisten, die oft zu gesundheitlichen Beschwerden führt. Den Frauen bleibt mehr Zeit sich um soziale Belange ihrer Familien zu kümmern, sowie zu lesen und sich weiterzubilden. Ein weiterer Gesundheitsvorteil wird durch die neue Beleuchtung erreicht.



                     (Die Beleuchtung durch Solarlampen)                                (Solar betriebene TV)

Traditionell werden Kerosinlampen eingesetzt. Diese geben im Vergleich zu den nun installierten Energiesparlampen sehr wenig Licht ab, sie verbreiten schädliche Dämpfe und bergen Feuergefahr. In jedem Haus wurden 12 Energiesparlampen installiert. Die Energiestationen liefern genug Strom, um Radio und einfache Fernseher zu versorgen. Dadurch haben die Menschen Zugang zu Informationen und Unterhaltung.


4. Trägerstrukturen und Identifikation der Zielgruppe mit dem Projekt



Das Projekt wurde vor Ort durch Afghan Bedmoschk Solar Center e.V. in Bedmoschk durchgeführt. Die Produkte wurden im Zentrum der erneuerbaren Energie von ABS e.V. in Bedmoschk hergestellt/montiert. Der verantwortliche Projektleiter in Afghanistan war Herr Ismail Karami (Werkstattleiter).

Die Dorfbewohner hatten auch ihre Verantwortung im Projekt, nämlich haben an der Vorarbeit der Haus-Verkabelung (Wände schlitzen und Bohren, beim Ständeraufbau mithelfen) mitgewirkt.

Die Dorfangehörigen wurden nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Hauptsächlich waren es solche Familien, die für neue Technologien aufgeschlossen sind, die kinderreich sind und dadurch finanziell vor besonderen Herausforderungen stehen.

Die Dorfangehörigen sind nach der Durchführung des Projektes sehr begeistert und zum Teil auch sehr erstaunt. Sie sehen die neuen Errungenschaften als positive Entwicklung und haben das Gefühl, im 21. Jahrhundert angekommen zu sein.



Natürch ist die Werkstatt von Afghan Bedmoschk Solar Center e.V. in Bedmoschk eine große Erleichterung für diese Familien. Bei Bedarf (Wartung, Ersatzteile, Reparatur…) stehen die Mitarbeiter immer zur Verfügung.

5. Projektwirkungen



Das Projekt ist sehr gut angekommen, sodass es von anderen Nachbardörfern bereits entsprechende Anfragen gibt. Die Warteliste umfasst mittlerweile über 50 weitere Interessenten aus den Nachbardörfern. Es ist empfehlenswert, ähnliche Projekte in der Region durchzuführen. Die Bevölkerung ist mit Solarenergie vertraut, durch eine begrenzte Menge an Strom lernen die Dorfbewohner auch den nachhaltigen Umgang mit Strom.

Man hat erkannt, welche Ersparnis auf Dauer durch die alternative Energie möglich ist und wie viel Arbeitserleichterung, vor allem für Frauen, damit verbunden ist. Außerdem hat jede Familie die Möglichkeit, durch eine Solarlampe Licht ins Haus zu bringen, ein Radio oder manchmal auch einen Fernseher zu betreiben.

Die Versorgung der Bevölkerung mit alternativer Energie soll weiter ausgedehnt werden. Die in Bedmoschk aufgebaute Solarwerkstatt leistet hierbei wertvolle Hilfe und gibt außerdem einigen Menschen Arbeit. Jede Förderung entfaltet also Wirkung über den unmittelbaren Zweck hinaus.

5.1. Auswirkung für Zielgruppen/ Region/ Land



5.1.1 Wirtschaftliche Auswirkung:




Durch die Butterschlagmaschine sind die Frauen in der Lage, die Produktion von Milcherzeugnissen zu steigern. Dadurch können höhere Einnahmen erzielt werden.

Die Dorfbewohner haben erkannt, welche Ersparnis auf Dauer durch die Energiestationen möglich ist. Sie können die Ausgaben für Kerosin, Diesel und Gas, die von den Kosten her nicht unbedeutend sind, sparen.

5.1.2 Sozioökonomische und soziokulturelle Auswirkungen:




Die Frauen bringen durch erhöhte Einnahmen für Milchprodukte mehr Geld in die Familienkasse und haben somit ein ganz anderes Gewicht in der Familienstruktur. Sie haben mehr zu sagen und können mehr Rechte einfordern. Die Frauen sind von der schweren Knochenarbeit entlastet, dies trägt zur Erhaltung der Gesundheit und zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

Außerdem ist durch das Projekt für zwei Personen dauerhafte Beschäftigung geschaffen worden; fünf Personen waren im Rahmen der Projektarbeit zeitlich befristet beschäftigt.

Die Dorfbewohner sind jetzt nicht mehr von der Welt abgeschnitten und können über Radio und Fernsehen erfahren, was auf der Welt los ist.

5.1.3. Ökologische Auswirkungen:




Durch den Ersatz der Dieselgeneratoren in den Dörfern durch saubere Solarenergie wird ein Beitrag zur Reduzierung der Umweltverschmutzung geleistet. Aufgrund des 30 Jahre langen Krieges in Afghanistan und die Dürre der letzten Jahre sind große Teile des Waldes verschwunden. Es gibt kaum mehr grüne Flächen. Der Einsatz von regenerativer Energie ist eine richtige Entscheidung.

5.2. Gesamtbeurteilung (Aufwand und Ertrag)



Die Gesamtbeurteilung ist gut. Der Aufwand war nicht gerade klein, aber es hat sich gelohnt. Der Ertrag durch Ersparnisse beim Einkauf von Kerosin und Diesel und die Ertragserhöhung der Milchprodukte durch die elektrische Butterschlagmaschine (es können mehr Tiere gehalten werden und mehr Milchprodukte auf dem Markt verkauft werden) werden den Dorfbewohnern langfristig zugute kommen.


6. Sonstige Bemerkungen:



An dieser Stelle möchten wir uns im Namen der afghanischen Dorfbevölkerung für die großzügige Unterstützung der GTZ bedanken. Die Kooperation mit der GTZ im Rahmen des Pilotförderprogramms des Sektorvorhabens war sehr gut.

Auf der Basis der gewonnenen Erfahrungen würden wir gern empfehlen, Vorhaben dieser Art weiter zu unterstützen; der Bedarf wird hier durch die große Zahl weiterer Interessenten deutlich. Nur durch eine solche Unterstützung, die einen besseren Lebensstandard der Dorfbewohner ermöglicht, können wir unseren Beitrag zur Stabilisierung des Landes leisten.







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