12. Projekt: 10 Energiestationen


Projektbezeichnung

Solare Energiestationen für Großfamilien

Projektort

Nachbardörfer von Bedmoschk, Provinz Wardak

Projektpartner

Zukunftsstiftung und Entwicklung

Projektstatus

abgeschlossen

Projektdauer



Projektbeschreibung


Das Konzept des Musterdorfes Bedmoschk soll bei dem jetzigen Projektvorhaben auf weitere Nachbardörfer angewendet werden. Dazu sollen Energiestationen für Großfamilien aufgebaut werden, die aus Solarmodulen und Windrädern bestehen. Die Energiestationen ermöglichen elektrische Beleuchtung (als Alternative zur Öllampe) und den Einsatz von Batterie betriebenen Geräten, wie Butterschlagmaschinen, die besonders die Arbeit der Frauen erleichtern.

Die lokale Bevölkerung wird für Betrieb und Wartung der Geräte geschult, womit die Nachhaltigkeit des Projekts gewährleistet ist.

Der Verein hat im Dorf Bedmoschk in der Provinz Wardak, ein Zentrum für Erneuerbare Energie errichtet. Das ZEE besteht aus Werkstatt, Demonstrationspark und Beratungszentrum. In der Werkstatt werden Flügel und Masten für Kleinwindanlagen hergestellt. Es werden Solarlampen repariert, Solarstationen und Kleinwindräder für die Installation vorbereitet. Die Bevölkerung aus der Region nutzt das Zentrum, um sich verschiedene Möglichkeiten dezentraler erneuerbarer Energieversorgung anzusehen und sich beraten zu lassen. Alle Entwicklungen im Bereich Windradflügel und Produktion von Flügeln finden hier statt.

In Anlehnung an das Modelldorf in Bedmoschk hat der Verein Afghan Bedmoschk Solar Center (ABS) e.V. bereits in Zusammenarbeit mit der GTZ ein weiteres Dorfentwicklungsprojekt ebenfalls in der Provinz Wardak durchgeführt.

Die Frauen in Afghanistan leisten Schwerstarbeit. Die traditionelle Butterherstellung ist sehr zeitaufwendig und verursacht gesundheitliche Probleme. Aufgrund der Temperaturen muss die Arbeit nachts durchgeführt werden und bedeutet stundenlange gleichförmige Bewegungen. Durch das Backen, Kochen und Arbeiten an offenen Feuerstellen und vor Öllampen sind außerdem Atemwegserkrankungen und Verbrennungen weit verbreitet.

Das Dorf Bedmoschk in der Provinz Wardak, etwa 120 Kilometer südlich von Kabul, hat sich zu einem Modelldorf für die Anwendung erneuerbarer Energien entwickelt. Die Frauen sind die Hauptnutznießerinnen der neuen Technologien, da ihnen die durch Sonne- und Windkraft angetriebenen Geräte harte körperliche Arbeit abnehmen. So war etwa bislang das Schütteln eines schweren Tongefäßes über mehrere Stunden notwendig, um Butter herzustellen. Nun gibt es dafür eine elektrisch angetriebene ?Butterschlagmaschine?, die die Arbeit in wenigen Minuten erledigt. Zusammengebaut wird sie im dorfeigenen Zentrum für Erneuerbare Energien. Die Bestandteile dafür sind auf den lokalen Basaren erhältlich oder können im Zentrum hergestellt werden. So werden vor Ort beispielsweise die Magnetspulen gewickelt und in Epoxydharz gegossen. Energielieferanten sind zwei Solarpaneele und ein vor Ort hergestelltes Windrad.

Das gesamte Dorfentwicklungsprojekt Bedmoschk umfasste die Ausstattung fast aller 100 Familien mit einer Stromversorgung auf der Basis von Sonnen- und Windkraft und konnte Ende 2005 abgeschlossen werden. Die 10 fertiggestellten Energiestationen sind seit über zwei Jahren erfolgreich im Einsatz und die Dorfbevölkerung ist hochzufrieden. Das bewährte Konzept soll in dem jetzigen Projekt erneut angewendet werden. Geplant ist der Aufbau von Energiestationen für Großfamilien in Nachbardörfern von Bedmoschk.

Ziel und Perspektive des Projekts

Die Ausweitung des Modellprojekts auf Nachbardörfer von Bedmoschk in der Provinz Wardak verfolgt folgende Ziele:

  • Ausstattung von Haushalten mit Energiestationen (kombiniert Windenergie mit Photo Voltaik), Butterschlagmaschinen und Solarlampen, um besonders den Frauen die harte körperliche Arbeit zu erleichtern.
  • Ausbau der Akzeptanz, die im Dorfentwicklungsprojekt Bedmoschk für erneuerbare Energien erreicht wurde, um ihre weitere Verbreitung im ländlichen Raum Afghanistans zu erreichen.
  • Ausbildung von afghanischen Fachkräften im Bereich erneuerbare Energien.
  • Vermittlung von Kenntnissen in erneuerbarer Energie, um schon im Frühstadium auf das Energieproblem im Lande hinweisen.
  • Beschaffung von Arbeitsplätzen
  • Bekämpfung der Dorfflucht durch Verbesserung der Lebensqualität
Das Projekt hat eine gute Perspektive. Die Nachfrage nach den Energiestationen ist sehr groß, wie zahlreiche Anfragen aus den umliegenden Dörfern zeigen. Folgenden Faktoren stehen für die Nachhaltigkeit des Projekts: Es können die im Überfluss vorhandenen Ressourcen von Sonne und Wind genutzt werden, das Konzept ist auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung abgestimmt und der Betrieb und die Wartung der Stationen und Geräte wird durch die Schulung der lokalen Bevölkerung gewährleistet.

Projektdurchführung


Nachdem in Wardak und Ghazni zusammen mit Ismail 10 Großfamilien für das Projekt ausgesucht wurden, teils Paschtunen und teils Hazaras, konnten die vorgesehenen 10 Energiestationen für ca. insgesamt 400 Afghanen innerhalb von 4 Monaten erfolgreich installiert werden.

Die Windräder wurden in Bedmoschk und Kabul produziert und zusammengebaut. Die Ständer für Solarmodule konnten in Wardak hergestellt werden.


Wickeln von Spulen



Drehen von Windradteilen


Es gab beim Einsatz der Batterien Probleme. Der Lieferant hatte nicht die von uns getesteten Batterien geliefert. Wir haben sie im März zurückgegeben und durch die guten Batterien ausgetauscht.

Die Nutzer haben sich über diese neue Energiestationen sehr gefreut, zumal die Öl- und Benzin- Preise immer weiter steigen. Durch Mundpropaganda haben sich in weiteren Provinzen unsere erfolgreichen Projekte herumgesprochen, sogar von Logar haben wir viele Nachfragen erhalten. Auch von Bamian haben wir starke Nachfragen.

Leider muß ich immer noch feststellen, daß in Afghanistan im Bereich der Solarenergie keine fachlichen Dienstleistungen und keine Ausbildung angeboten werden.

Die Organisationen wie Norwegian Charge Association NCA und AVB haben ihr Interesse für eine Zusammenarbeit gezeigt. Wir haben vor, im Juni im Auftrag der NCA einen Reflektor in Bamian zu installieren und einen Kurs dort durchzuführen, wie man diese Reflektoren zum Kochen und zur Obstverarbeitung einsetzen kann. Außerdem werden wir dort auch einen Kurs für die Montage der Lampen durchführen. Dies alles zeigt ein großes Interesse der Bevölkerung an der Solarenergie. Wir ABS e.V. haben die Ehre bislang als einzige Organisation die Afghanen im Solarbereich mit praktischen Produkten vertraut machen zu dürfen.

Ich habe eine lange Warteliste von Interessenten, die ich leider für die nächste Phase vertrösten mußte.

Die Sicherheitslage hat sich dramatisch verschlechtert. Die Entführungswelle, Selbstmorde und Bombenanschläge hören nicht auf. Gerade als ich, Achtari, in Kabul war (27. März 2008), wurde eine große Veranstaltung (Tag des Sturzes der kommunistischen Regierung in Kabul) sabotiert. Gleich danach hat es wieder in Kabul Stadtmitte 5 Stunden lang Schußwechsel gegeben.

Wenn die Aufbauarbeit so langsam vorangeht und in den Provinzen nichts passiert, kann die Sicherheitslage nicht besser werden.

Gott sei Dank, unsere Projekte sind nicht davon betroffen. Die Energieversorgungsprojekte haben einen sehr guten Ruf.







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